(placeholder)

––– Werbefilme –––

Sorgenvolle Gesichter der Waldbesitzer

Donnerstag, 6. Februar 2020

Bei der Mitgliederversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Balve konnte man in viele besorgte Gesichter sehen.
Dr. Mathias Niesar, der Spezialist für Wald und Klimaschutz beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW zeichnete in seinem Vortrag ein düsteres Bild für die Zukunft der Wälder in Nordrhein-Westfalen.

Aufgrund der Schwächung der Bäume durch das Dürrejahr und das fast ebenso warme Jahr 2019, sind die Bäume in den nordrhein- westfälischen Wälder extrem gestresst. Besonders schlimm trifft es die Fichte, die in Höhenlagen bis ca. 400 m fast keine Überlebenschancen mehr hat. Nur auf Nordhängen von Hochlagen kann weiterhin Forstwirtschaft mit dieser Baumart betrieben werden. Wie man auch in den heimischen Wäldern beobachten kann, macht der Borkenkäfer mit seiner derzeitigen Massenvermehrung den Fichten den Garaus. Durch das fehlende Wasser haben die Fichten ihren Harzgehalt verloren und so ist das natürliche Abwehrsystem gegen den Käfer zusammengebrochen.

Aber auch die Buche, bisher als „Mutter des Waldes“ bezeichnet, könnte auf einem Drittel der Fläche Probleme bis zum Absterben bekommen.
Besonders dramatisch ist diese Entwicklung, weil der Wald als einer der wichtigsten Co2-Speicher selbst zur Abmilderung des Klimawandels benötigt wird. Nur wenn wir es schaffen, die Erderwärmung unter 2°C zu halten, gibt es noch eine Chance unumkehrbare Veränderungen des Weltklimas aufzuhalten. 

Anhand zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen verdeutlichte Dr. Niesar die möglichen dramatischen Folgen eines höheren
Temperaturanstieges. In einem eindringlichen Apell an alle Anwesenden forderte Dr. Niesar die sofortige Umstellung unserer Lebensgewohnheiten. Die Einschränkung von Energieverbrauch, Verkehr und Fleischkonsum und der Ersatz fossiler Energieträger durch regenerative Enegiequellen würde zwar für jeden von uns spürbare Folgen haben, sei aber die einzige Möglichkeit das 2°C-Ziel zu erreichen, so Dr, Niesar. Gleichzeitig empfahl er bei der Wiederaufforstung der jetzt kahlen Schadflächen der Baumartenwahl besondere Aufmerksamkeit zu widmen. So könnten jetzt auch Arten aus ganz anderen Gegenden der Welt in unseren Regionen eine Zukunft haben. Atlas-Zeder aus dem Hohen Atlas in Marokko oder die Lindenblättrige Birke aus dem Kaukasus können hier als Beispiele genannt werden.

In seinem Jahresbericht 2019 konnte der Balver Förster Richard Nikodem die Situation auch für die Balver Wälder bestätigen. Da das Balver Stadtgebiet größtenteils in der Höhe von bis zu 400 m liegt, sterben auch bei uns weite Teile der Fichtenbestände ab. Die Forstunternehmer und Waldbesitzer kommen mit Ernte und Abtransport des befallenen Holzes gar nicht nach. Insbesondere, weil die europaweite Borkenkäferkalamität zum Zusammenbruch der heimischen Holzmärkte und der Holzpreise geführt haben. So wurde auch aus dem Balver Revier mehr als 80% des aufgearbeiteten Holzes nach Fernost exportiert. Aber eine weitere Intensivierung des Holzeinschlages im laufenden Jahr ist notwendig. Nur so besteht eine Chance die wenigen noch nicht befallenen Bäume, durch den Abtransport der in der Borke lebenden Käfer, zu retten. Der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitten hat aufgrund der extrem hohen Befallsdichte wenig Aussicht auf Erfolg. In Balve wurde daher auch im vergangenen Jahr völlig darauf verzichtet. Der Arbeitsschwerpunkt lag in der Bekämpfung des Borkenkäfers durch Ernte und Abtransport befallenen Holzes. Der Holzeinschlag lag beim vierfachen-Normaleinschlag eines Jahres und davon waren mehr als 99 % Käferholz. 

So blieb nur wenig Zeit, sich um die Pflege der nach Kyrill angepflanzten Schadflächen zu kümmern. Trotzdem wurden ca. 30 ha davon gepflegt. Ein weiteres wichtiges Thema war der Zustand der Forstwirtschaftwege. Aufgrund des intensiven Holzverkehrs sind die Wege oft verschlammt. Wegebaumaßnahmen machen aber erst dann Sinn, wenn die Holzerntemaßnahmen weitgehend abgeschlossen sind. Nur das Freistellen der Wegeböschungen wurde auf fast dreißig Kilometer Länge im letzten Winter durchgeführt, damit die Wege abtrocknen können und nicht aufweichen..

An die Wiederaufforstung der Kahlflächen kann aufgrund der extremen Arbeitsbelastung bei Förster und Waldarbeitern derzeit noch gar nicht gedacht werden. Hier gibt es auch bis zur nächsten Pflanzsaison im kommenden Herbst noch einiges vorzubereiten.

Die in der Vergangenheit fast ausschließlich von staatlichen Förstern zu günstigen Gebühren durchgeführte Betreuung und Anleitung der privaten Waldbesitzer soll stärker privatisiert werden. Deshalb müssen alle Forstbetriebsgemeinschaften in NRW bis zum Jahresende neue Dienstleistungsverträge zur Beförsterung ihrer Wälder abschließen. Der Landesbetrieb Wald und Holz NRW wird sich aber wieder um alle Reviere bewerben. Natürlich auch um Balve. Aber erstmals muss sich der Landesbetrieb dem Wettbewerb mit privaten Anbietern direkt stellen. Die Waldbesitzer sollen durch ein anderes Fördersystem als bisher aber durchschnittlich keine höheren Gebühren zahlen. Der Vorstand wurde beauftragt, alle erforderlichen Schritte durchzuführen, um auch für Balve einen neuen Dienstleistungsvertrag abzuschließen.

Insgesamt eine gut besuchte, wichtige und interessante Versammlung, die aber etliche Sorgenfalten verursachte.